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Mehrdad Mostofizadeh
Kristina Schröder? Nicht meine Ministerin!

Grüne unterstützen Kampagne gegen die Frauen- und Familienministerin.
A 52: Bürgerversammlung schreibt offenen Brief an Ratsmitglieder
Auf einer Bürgerversammlung in Altenessen am 26.3. informierte die Bürgerinitiative "Stoppt A 52" über den letzten Planungsstand der A52 in Essen und Umgebung. Im Ergebnis verabschiedeten die über 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer einstimmig folgenden offenen Brief an die Ratsmitglieder der Stadt Essen:
A 52: Guter Rat ist gefragt!
In Essen haben wir gerade ein Problem zufällig aufgedeckt: Ein Tunnelversprechen ist geplatzt! Vereinbart war für Altenessen ein Tunnelstück im bergmännischen Vortrieb.
Auch in Gladbeck ist das Tunnelversprechen - der Türöffner für den Autobahnbau – letztlich unverbindlich. Wer für den Autobahnbau stimmt, kauft ohne vorliegende Planung die Katze im Sack!
Klimaschutzgesetz - NRW setzt Standards

Zu der Anhörung zum Klimaschutzgesetz erklärt Wibke Brems MdL, Klimaschutz- und energiepolitische Sprecherin:
Zukunftsaufgabe Integration - Versäumnisse der Vergangenheit sind noch zu überwinden
Interview mit Andreas Bomheuer, Beigeordneter für Kultur, Integration und Sport der Stadt Essen Dezember 2011Frage: Herr Bomheuer, wie fühlt man sich mit der Dreiteilung eines Beigeordneten für Kultur, Integration und Sport?
Antwort: Die Aufgaben sind sehr umfangreich, und ich bedaure, für vieles, was mich interessiert, nicht genug Zeit zu haben. Zerrissen fühle ich mich dennoch nicht. Denn Sport und Kultur haben mehr Gemeinsamkeiten und Berührungspunkte, als man auf den ersten Blick sieht, und Kultur und Integration erst recht. Denken Sie nur an den Aspekt der verschiedenen Einwandererkulturen, die mit ihrer Kunst, ihren Festen und Bräuchen unser gesellschaftliches Leben bereichern. Es gibt also allerhand Schnittmengen und Querverbindungen, von denen die einzelnen Bereiche durchaus profitieren.
Schwerpunkte in Altenessen
Frage: Unser Hauptthema im Gespräch, das wir im Badehaus an der Zeche Carl führen, soll diesmal allerdings ihre Funktion als Integrationsdezernent sein. Nicht gerade einfache Aufgaben stellen sich gerade in Altenessen und insbesondere im Bereich Altenessen-Süd rund um den Altenessener Bahnhof. Da gibt es jede Menge Häuser, in denen Libanesen wohnen und andere Menschen mit Migrationshintergrund.
Hier versucht die Stadt Essen ja mittlerweile offensiv Konflikte der verschiedenen Gruppen zu lösen oder wenigstens einzudämmen. Nach einiger Unruhe hat die Stadt eine Art öffentliches Versprechen geleistet, für Abhilfe zu sorgen. Können Sie uns den Sachstand erläutern?
Antwort: Ja, lassen Sie mich zunächst die Ausgangslage präzisieren. Nachdem vermehrt Klagen aus Altenessen-Süd über bedrohliche Situationen und unangenehme Erlebnisse laut wurden, habe ich mich in Gesprächen mit Bezirkspolitikern und bei Ortsbesichtigungen davon überzeugt, dass es einen Handlungsbedarf gibt. Das Jugendhilfenetzwerk der AWO, kurz: JHN, wurde mit einer Bürgerbefragung beauftragt, die im Winter 2010/2011 zu alarmierenden Ergebnissen führte. Ein erheblicher Teil vor allem der älteren Bürgerschaft Altenessens fühlte sich in ihrem Stadtteil nicht mehr uneingeschränkt sicher. Bestimmte Orte wie das Bahnhofsumfeld oder der Kaiserpark wurden gemieden, und viele der Befragten nannten als Grund für ihr Unbehagen die auf den Straßen herumlungernden und mitunter pöbelnden Jugendlichen. Auch Straftaten wie Diebstähle, Nötigungen, Erpressungen oder Prügeleien häuften sich. Darauf haben wir sehr schnell mit der Gründung einer Behörden und Fachbereiche übergreifenden Einsatzgruppe reagiert. Schon im Mai/Juni nahm das so genannte Aktionsbündnis sicheres Altenessen, kurz: AsA, die Arbeit auf. Unter der koordinierenden Leitung des Jugendhilfenetzwerks Nord und mit finanzieller Ausstattung durch die RAA, das Büro für interkulturelle Arbeit, das zu meinem Geschäftsbereich gehört, arbeiten in diesem Bündnis u. a. die Polizei mit der Einsatzgruppe Jugend, das Jugendamt mit dem Integrationsmanagement, der Jugendgerichtshilfe und der Bezirksstelle Altenessen, Sozialarbeiter der AWO und die libanesische Familienunion zusammen. Von Fall zu Fall kommen noch verschiedene Veranstalter, Schulen und das Ordnungsamt hinzu. Die Mitwirkenden dieses Bündnisses können aufgrund der engen und vertrauensvollen Kooperation auf alle Vorfälle sofort und passgenau reagieren. Sie haben die Problemgruppen ständig im Blick, bauen Kontakte zu Eltern und Lehrern auf und beziehen da, wo es Sinn hat, auch den Imam mit ein. Aber sie machen den Jugendlichen nicht nur Druck, sondern auch Freizeitangebote. So sind schon mehrere Ballsportgruppen und ein Fitness- und Kraftraum eingerichtet worden. Diese Arbeit funktioniert sehr gut. Nach nur wenigen Monaten gibt es signifikant weniger Klagen von Seiten der Bürger und auch der Geschäftsleute.
Frage: Soll der Erfolg denn noch mal überprüft werden?
Antwort: Ja, auf jeden Fall. Wir werden im Laufe des kommenden Jahres eine Kontrollbefragung durchführen.
Frage: Welche Bevölkerungsgruppen sind denn besonders problematisch?
Auffällige Jugendliche sind nicht nur Libanesen
Antwort: Es handelt sich um Jugendliche aus bildungsfernen Elternhäusern, die mit zahlreichen Problemen aufwachsen: Alkoholismus, Scheidung, Armut, beengte Wohnverhältnisse, Gewalt. Eindeutig libanesischer Herkunft ist übrigens nur etwa ein Drittel der auffälligen Jugendlichen. Andere sind Türken, Marokkaner, Sinti, aber durchaus auch Deutsche. Gemeinsam ist ihnen also nicht die ethnische Zugehörigkeit, sondern das schwierige Wohn- und Lebensumfeld.
Frage: Müssten da nicht auch die Planungs- und Bauämter mit ins Boot, wenn es um eine Verbesserung der Wohnverhältnisse und des Stadtbildes geht?
Antwort: Natürlich. Es gibt auch bereits seit einiger Zeit das verstärkte Bemühen, Altenessen in das Bundesprogramm soziale Stadt aufnehmen zu lassen. Wenn das gelingt – und ich bin da sehr zuversichtlich – dann haben wir die Möglichkeit, mit Hilfe von Bundesmitteln Wohnumfeldverbesserungen in Angriff zu nehmen. Das ist dann in erster Linie Sache des Fachbereiches Stadtentwicklung, der dann auch unsere Kompetenzen in der Integrationsarbeit einbeziehen wird.
Frage: Können sich die Menschen in Altenessen dann endlich Hoffnung auf Beseitigung der zum Teil unhaltbaren Zustände machen? Die Bauruine am Altenessener Bahnhof existiert ja nun bald ein Jahrzehnt, ohne dass sich ein Investor zum Fertigbauen findet. Und der ehemalige Schweinemarkt östlich der Altenessener Straße mit den Resten des früheren Autohauses und einer mehr oder weniger Schutt gefüllten Imbissbude schreien doch nach Veränderung. Gibt es schon eine Art Checkliste, die abzuarbeiten wäre?
Städtebauliche Mängel
Antwort: Soweit ich weiß, gibt es bisher keine städtebauliche Entscheidung über eine Gebietskulisse, also ein städtebauliches Gesamtkonzept. Das werden wir im Rahmen der Maßnahmen des „Stadtteils mit besonderem Erneuerungsbedarf“ erstellen. Ich habe mich zum Beispiel erkundigt, was man mit dem Rohbau gegenüber dem Bahnhof machen kann. Ich musste feststellen, dass dort Eigentumsverhältnisse herrschen, die ein Eingreifen der Stadt sehr erschweren. Aber das ist dann Aufgabe der Stadtplanung. Es bleibt also dabei, wir versuchen hier in einer konzertierten Aktion für Verbesserung zu sorgen.
Frage: Wichtig für eine gute Entwicklung in der Stadt Essen ist natürlich ein weiteres soziales Projekt, nämlich die Bekämpfung der Kinderarmut, über die derzeit in den meisten Bezirksvertretungen und Ratsausschüssen verhandelt wird. Kinderarmut ist ein gravierendes Problem des ganzen Essener Nordens, sticht mit negativen Werten allerdings auch besonders in Stadtteilen wie Altenessen-Süd oder Vogelheim/Bergeborbeck hervor. Inwieweit gibt es bei diesem langfristigen Projekt eine Verzahnung zwischen dem Integrationsdezernenten und den Kollegen der Jugend – und Sozialverwaltung?
Nicht mit Armutsverwaltung abfinden
Antwort: Ich arbeite mit meinem für Jugend und Soziales zuständigen Kollegen Peter Renzel eng zusammen. Wir wollen, dass sich die Parallelstrukturen, die sich durch die Integrationsarbeit in unterschiedlichen Bereichen gebildet haben, möglichst überflüssig machen und die Kernaufgaben im Regelsystem erledigt werden. Denn es besteht kein Zweifel, dass es im Wesentlichen um soziale Aufgaben und weniger um Fragen der Migration bzw. Integration geht. Von Kinderarmut sind nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund betroffen, sondern ebenso Deutsche, die beispielsweise schlecht qualifiziert und langzeitarbeitslos sind.
Zeitgemäße Integrationspolitik muss sich heute von der Defizitorientierung verabschieden und den Chancen und Potenzialen zuwenden, die Menschen mit Migrationshintergrund der aufnahmebereiten Gesellschaft bieten. Wir können am Beispiel des internationalen und interkulturellen Gesundheitsführers, den die Stadt herausgegeben hat, feststellen, dass in dieser Branche ungemein viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Migrationshintergrund tätig sind. Wer sich den Gesundheitsführer mal unter diesem Gesichtspunkt ansieht, kann sich vorstellen, wie viele Sprachen gesprochen werden in den Vorzimmern der Ärzte, der Krankenhäuser, welche Sprachen die Ärzte selbst und ihre Helferinnen sprechen und nicht nur die Reinigungskräfte. Hinzu kommen medizinische Erfahrungen und Wissen aus unterschiedlichen Kulturen. Das ist doch eine ganz besondere Qualität, die ich mir auch in anderen Branchen wünsche. Der Chefarzt aus Persien oder die Krankenschwester aus Syrien brauchen unsere Hilfe erst mal nicht. Es ist also falsch anzunehmen, Armut und schlechte Gesundheit seien Probleme nur der Zugewanderten. Vielmehr ist das eine soziale Frage, die deutsche Kinder und ihre Eltern ebenso wie Migranten trifft.
Für die Zukunft der Integrationspolitik wird entscheidend sein, dass wir uns darüber verständigen, was wir mit den Begriffen Migration und Integration meinen. Dabei müssen wir uns nicht von ihnen verabschieden, weil sie politisch nicht korrekt sind, wie es einige beabsichtigen. Unter Migration verstehen wir Wanderungsbewegungen Einzelner oder ganzer Völker, die es immer schon gegeben hat. Unter Integration verstehen wir eben nicht Assimilation in dem Sinne, dass sich Zugewanderte an die Gepflogenheiten der Mehrheitsgesellschaft angleichen. Allerdings bedeutet Integration, sich an die Regeln unseres Gemeinwesens, die wir uns gegeben haben, ebenso zu halten wie wir selbst es tun. Integration heißt vor allem aber Teilhabe an der Gesellschaft und die Möglichkeit für Zugewanderte, diese mitzugestalten, also auch Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen.
Verantwortungsvolle Gesellschaftsteilhabe erleichtern
Frage: Ich denke, die Frage der Integration von Menschen, die aus anderen Gesellschaften zu uns kommen, ist sicherlich schon vor 20 bis 30 Jahren im Essener Norden bedeutsam gewesen.
Damals wurde bereits gesagt, dass die Kinder, die hier aufwachsen, ohne einen regulären Aufenthaltsstatus zu besitzen, und deshalb fast keine Eingliederungschancen erhalten, spätestens als Erwachsene riesige Probleme verursachen werden. Und derjenige Mensch, der als Migrant eine gute Ausbildung erreichen konnte, z. B. der angehende Chefarzt aus Persien, wohnt dann bald nicht mehr in Altenessen oder Schonnebeck. Die ehemaligen Migranten, die Karriere machen, ziehen schließlich doch lieber nach Werden oder Rüttenscheid. Währenddessen füllen sich in den Nordstadtteilen die freiwerdenden Wohnungen mit Harz IV-Beziehern, die das Jobcenter genötigt hat, eine billigere Wohnung zu beziehen, welche sie aber nur in den Nord-Stadtteilen finden können.
Antwort: Wir müssen aufpassen, dass wir Essens Norden ebenso wenig pauschal und klischeehaft stigmatisieren wie den Süden. Auch der Norden hat wirklich lebenswerte Orte und Stadtteile. Das haben Aktivitäten im Rahmen des Kulturhauptstadtprogramms gezeigt. Und das bestätigten auch die befragten Bürger, die sich Sorgen um ihren Stadtteil machen, die aber dennoch gern und aus Überzeugung beispielsweise in Altenessen leben. Man findet in Altenessen gepflegte Eigenheimsiedlungen, die ebenso gut in Kupferdreh oder Überruhr stehen könnten. Andererseits ist nicht von der Hand zu weisen, dass es vor allem im Norden soziale Brennpunkte gibt, in denen Armut und fehlende Bildung Hand in Hand gehen. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass ein Schlüssel zur Lösung dieser Probleme in der Verstärkung der Bildungsbemühungen liegt. Und damit meine ich nicht nur utilitaristische Bildungsziele wie die rein berufliche Ausbildung, sondern ich meine auch die Persönlichkeitsbildung, deren wichtiger Teil die kulturelle Identität ist. Hier entwickelt sich auch die interkulturelle Kompetenz. Dabei geht es nicht nur um die UNESCO Konvention zum Erhalt der Vielfalt der Kulturen. Dies wäre ja nur ein Nebeneinander. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass an den Schnittstellen, wo die Kulturen zueinander kommen, sie sich gegenseitig befruchten können. Hierfür gibt es sehr viele Beispiele aus der Kunst und Kultur. Beispielsweise ist die Rock-Musik aus der Begegnung afrikanischer und europäischer Musiktraditionen im Süden Nordamerikas entstanden. Man sieht daran, dass gerade für die Entwicklung von Kreativität die Vielfalt der Kulturen von besonderer Bedeutung ist.
Dass wir allerdings mit der Vielfalt in der globalisierten Welt und medialen Allgegenwärtigkeit heute anders umgehen als vor 150 Jahren, als man zu Fuß oder mit dem Pferdefuhrwerk nach Arabien reiste, das ist selbstverständlich. Die Bilder und die Klischees heute sind viel schneller und einprägsamer kommuniziert. Dabei gilt aber: Medien sind ja nur vermeintlich objektiv. Sie bilden nicht immer die Wirklichkeit ab, sondern das, was derjenige, der die Bild- oder Tonaufnahmen macht, des Text formuliert als Wirklichkeit ansieht und aus unterschiedlichen Interessen heraus betrachtenswert findet. Das weiß jeder, der Urlaubsfotos macht.
Migranten in selbstgewollter Isolation?
Frage: Aber gerade der globalisierte Handel und die Allgegenwart von Medien machen es heute erheblich leichter, in einer neuen Heimat den Lebensstil und die Gewohnheiten von früher beizubehalten, zum Beispiel indem türkischstämmige Einwanderer türkisches Fernsehen schauen, türkische Zeitungen lesen und ihre Lebensmittel beim türkischen Händler kaufen. Als es all diese Möglichkeiten noch nicht gab, war sicher die Notwendigkeit größer, sich auf das neue Land einzulassen.
Antwort: Das stimmt nicht unbedingt. Es gibt Untersuchungen aus den USA, die ergaben, dass Einwanderer z. B. aus Deutschland sich sehr stark separiert haben und auch separieren wollten und dass das bis heute so geblieben ist. In ihrem Auftreten agierten sie dann oft „deutscher als deutsch“. Solche Situationen hat es gegeben und die sind gerade in USA ausführlich untersucht worden. In der verunsichernden Situation des Einwanderers schließt man sich in kleinen wohlbekannten Strukturen zusammen, die Halt gegen die noch fremde Umgebung bieten. Da können – falls erforderlich - auch Menschen mit Migrationshintergrund abgeholt werden, an dieser Stelle treffen wir also wieder auf das Thema Bildung. Dabei geht es auch um unterschiedliche Werte und Entäußerungen der jeweiligen Kulturen, die sich ja vermeintlich auch in touristisch motivierter und konservierter Folklore manifestiert.
Frage: Ich denke schon, dass Kulturtheorie hier eine Basis ist, um später richtige Entscheidungen zu treffen. Hat denn die Stadt Essen in diesem Bereich selbst bereits die Richtung weisenden modernen Entscheidungen getroffen? Immerhin gibt es in dieser Stadt seit etlichen Jahren die Debatte, wie das Ausländeramt kundenfreundlicher umgestaltet werden sollte. Für Verärgerung sorgt insbesondere, dass es z. B. in einem mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schlecht erreichbaren Gewerbegebiet versteckt liegt und dass es mit einer Sicherheitsschleuse vor dem Eingang eher als Ableger einer Polizeistation denn wie ein modernes Stadtamt auftritt. Bisher werden die vielen Migranten in Essen offensichtlich noch nicht freundlich willkommen geheißen, und der Weg zu einem regelrechten „Welcome-Center“ scheint noch weit.
„Welcome-Center“ statt Ausländeramt!
Antwort: Wir sind trotzdem bereits auf dem richtigen Weg. Vor etwas über einem Jahr wurden wir als Verwaltung vom Rat beauftragt, mit einer interfraktionellen Beratungskommission herauszufinden, in welchen Gebieten welche konkreten Personen in der Stadt jetzt schon Integration fördern. Dabei haben wir gesehen, dass es fast in jedem Geschäftsbereich Fachbereiche gibt, die einen Beitrag zur Integrationsarbeit leisten. Nur mussten wir auch feststellen, dass die Aktivitäten nicht aufeinander abgestimmt sind, innerhalb der Stadtverwaltung nicht, aber auch nicht mit den Institutionen des Dritten Sektors oder denen der Wirtschaft. Hier müssen wir ansetzen.
Das andere Ergebnis war, dass gut ausgebildete Menschen wieder zurückgehen in die ehemaligen Heimatländer ihrer Eltern oder Großeltern, weil sie dort für sich bessere Lebenschancen vorfinden als in Deutschland. Wir müssen Strategien entwickeln, um diese Menschen bei uns zu halten. Der Facharbeitermangel, um den wir uns dringend kümmern müssen, wird immer offensichtlicher.
Die Stadt Essen hatte vor nicht allzu langer Zeit mehr als 700.000 Einwohner, auf die in den vergangenen Jahrzehnten die Infrastruktur ausgerichtet wurde. Heute liegt die Einwohnerzahl bei etwa 580.000, und wir müssen unsere Zukunftsplanungen den veränderten Bedingungen anpassen. Vor diesem Hintergrund ist es doch sehr sinnvoll, unsere Stadt so attraktiv zu machen, dass die Menschen hier bleiben oder gar zu uns kommen.
Dabei richte ich den Blick ausdrücklich auch auf die Universität. An der Universität Duisburg-Essen studieren im gesamtdeutschen Vergleich die meisten jungen Leute, deren Eltern nicht Akademiker waren und die selbst oder deren Eltern einen mit Migrationshintergrund haben. Hier wird das Welcome-Center ansetzen. Auf der einen Seite bietet es Service-Leistungen in die Stadtverwaltung hinein an. Auf der anderen Seite soll in diesem Welcome-Center explizit dafür geworben werden, sich hier niederzulassen und zu bleiben. Darum haben wir mit vielen Institutionen und Verbänden gesprochen und informieren von zentraler Stelle aus über die unterschiedlichen Angebote, die es zum großen Teil, wenn auch verstreut, jetzt bereits gibt, die als Gesamtschau aber bisher nicht im Blick waren. Das reicht von der IHK, der Diakonie und den Existenzgründer-Hilfen über das Zentrum für Türkeistudien bis zur Sozialhilfeberatung.
Dabei müssen wir auch unterscheiden zwischen den gesetzlich vorgeschriebenen ordnungsrechtlichen und den integrationspolitischen Gegebenheiten des Gesetzes. Leider haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ausländerbehörde Alltagserfahrungen, die zu verstärkten Sicherungsvorkehrungen wie der Sicherheitsschleuse geführt haben. Wir haben in erster Linie eine Fürsorgepflicht gegenüber den städtischen Mitarbeitenden und müssen ihre Gefährdung soweit wie möglich ausschließen. Ich kann aus der Praxis meiner Hattinger Dezernentenzeit nachvollziehen, dass man so etwas wie eine Sicherheitsschleuse durchaus braucht. Im Übrigen fühlt sich doch am Flughafen auch niemand abgewiesen, nur weil er eine Sicherheitsschleuse zu durchgehen hat. Natürlich ist uns allen bewusst, dass eine Sicherheitsschleuse nicht der geeignetste Willkommensgruß ist.
Aufgabe „Integration“ auch baulich wieder ins Zentrum rücken.
Frage: Eine weitere Kritik zielt auf den Standort des Ausländeramtes. Ich erinnere daran, dass das Ausländeramt mit Büros im Rathaus begonnen hat, dann musste es abwandern an den Kopstadtplatz und arbeitet inzwischen schon sehr lange im Industriegebiet neben der WAZ - Druckerei. Anscheinend will die Stadt die Migranten nicht im Zentrum haben. Das hat eine sehr starke Symbolik. Gibt es Ansätze, da etwas zu ändern?
Antwort: Wir haben die Konzeption für das Welcome Center bereits entwickelt. Es befindet sich nun in der Abstimmung mit der übrigen Stadtverwaltung. Kern des Konzeptes ist eine Innenstadtlage des Centers, und es wird als Anlaufstelle wie als Netzwerkknoten fungieren und an die bestehenden Angebote anknüpfen. Aber die Abstimmungsprozesse sind noch nicht so weit gereift, dass ich jetzt konkrete Einzelheiten berichten kann.
Frage: Können wir damit rechnen, dass im Jahr 2012 diese Ergebnisse vorliegen oder wird es sich noch länger hinziehen?
Antwort: Ich bin sicher, dass die Abstimmungsprozesse über das Konzept nun schnell zu Ende geführt werden können. Schwer zu sagen ist, wie lange es dauern wird, bis die erforderlichen Ressourcen, nämlich ein Gebäude und das erforderliche Personal, bereitgestellt sind. Ich bemühe mich, so schnell wie möglich Lösungen zu finden. Im Januar wird das Thema auf der Tagesordnung stehen. Ich persönlich hatte die Hoffnung, das Thema schon im letzten Sommer erledigt zu haben, muss aber gestehen, dass ich die Dauer der erforderlichen internen Abläufe unterschätzt zu haben.
Frage: Das lässt erwarten, für die Entwicklung des Konzepts noch viel öffentliche Unterstützung zu brauchen. Wir Grünen halten die Daumen und werden zuversichtlich Unterstützungsarbeit leisten, dass das Welcome-Center bald erfolgreich auf den Weg gebracht wird. Zum Abschluss noch mal eine andere Frage: Welche Zukunft hat Ihrer Meinung nach der Integrationsrat in Essen?
Politische Teilhabe der Migranten – zur Zukunft des Integrationsrats
Antwort: Wir sind gesetzlich gehalten, den Integrationsrat zu installieren. Er ist gewählt worden. Leider sind sowohl die Vorkommnisse im Integrationsrat während der letzten zwei Jahre als auch die ein oder andere Entscheidung in letzter Zeit nicht dazu geeignet, die Glaubwürdigkeit dieses Gremiums in Essen zu stärken. Ich bedaure das sehr, denn wir brauchen ein Organ, wo wir uns gemeinsam mit denjenigen, für die wir Integrationspolitik machen, auch beraten können. Idealer Weise kann ich mir auch ein Organ vorstellen, dass auf andere Weise verfasst ist.
Vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die wir gemacht haben, bin ich der Meinung, dass wir ergebnisoffen darüber nachdenken müssen, ob es nicht auch andere Möglichkeiten der Partizipation, der politischen Gestaltung für Menschen mit Migrationshintergrund gibt. Dabei ist meines Erachtens auch in den Blick zu nehmen, dass die wirkliche Vielfalt der Nationen und Kulturen in der derzeitigen Form des Integrationsrates nicht repräsentiert wird. Das wird man mit den Fraktionen und den Migrantenvereinen besprechen müssen.
Frage: In diesem Sinne hoffen wir, dass wir in diesem Jahr auch mit den frisch gewählten frischen Repräsentanten der Integrationsarbeit einen neuen Anfang setzen können. Da ist wohl viel Glück zu wünschen.
Antwort: Ja, besten Dank. Wir haben viele Menschen mit Migrationshintergrund hier in der Stadt. Ich persönlich finde eine bunte Stadt sehr lebenswert.
Das Interview führte Walter Wandtke
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